Antispeziesismus
Antispeziesismus beschreibt die Haltung, dass der Wert eines Lebewesens nicht von seiner Art abhängt. Jedes fühlende Lebewesen verdient Respekt und Mitgefühl – unabhängig davon, ob es als Haus-, Nutz- oder Wildtier lebt. Welche Tiere wir als Haus-, Nutz- oder Heimtiere einordnen, ist dabei weniger eine biologische Tatsache als vielmehr kulturell und gesellschaftlich geprägt. Während Hunde in vielen Ländern als Familienmitglieder gelten, werden Schweine oder Hühner oft vor allem als Nutztiere wahrgenommen – obwohl sie ebenfalls intelligente, soziale und empfindungsfähige Lebewesen sind. Welche Rolle wir einem Tier zuschreiben, hängt deshalb häufig davon ab, wo und wie wir aufgewachsen sind und welche Werte uns vermittelt wurden. Diese Einordnung hat weitreichende Folgen für das Leben der Tiere. Während bei einem Haustier im Krankheitsfall häufig medizinische Abklärungen und Behandlungen selbstverständlich sind, werden bei vielen Nutztieren Entscheidungen oft nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten getroffen. Ist eine Behandlung aufwendig oder teuer, werden Tiere nicht selten geschlachtet oder getötet, anstatt medizinisch versorgt zu werden. Auch die Lebensbedingungen, die Aufmerksamkeit und die Fürsorge, die Tiere erfahren, unterscheiden sich häufig weniger aufgrund ihrer Bedürfnisse als aufgrund der Rolle, die wir ihnen als Gesellschaft zuschreiben. Aus antispeziesistischer Sicht sollte jedoch nicht die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Tierart darüber entscheiden, wie viel Mitgefühl, Schutz oder medizinische Versorgung ein Lebewesen erhält. Diese Überzeugung prägt die Arbeit der Tierliwiese. Wir möchten dazu beitragen, Tiere als Individuen wahrzunehmen und ihren Wert nicht an ihrem Nutzen für den Menschen zu messen. Antispeziesismus bedeutet dabei nicht, dass alle Lebewesen gleich sind oder dieselben Bedürfnisse haben. Vielmehr geht es darum, dass Unterschiede zwischen Arten nicht dazu führen sollten, den moralischen Wert eines Lebewesens geringer einzuschätzen.